Das Musikjahr 2017 bleibt weiter bärenstark…

27. Mai 2017 by

1. Goldfrapp – Silver Eye: Ich fand Goldfrapp ja schon immer am stärksten, wenn sie schön elektronisch waren. Mit dem hochgelobten Debut z.B. konnte ich nicht wirklich was anfangen. Und schon der erste Song auf Silver Eye zeigt, dass das ein Album wird, das mir wahrscheinlich sehr gut gefallen wird. Und so ist es dann auch. Stampfender Elektrobeat, Elektrobass und über allem schwebt Alisons elfengleiche Stimme und trägt zuckersüße Melodien dazu vor. Große Klasse… und so geht es dann auch direkt weiter, bevor der „Tigerman“ dann etwas Tempo und Wumms rausnimmt. Es folgen auch noch ein paar ruhigere Stücke, die aber auch allesamt zu gefallen wissen. Unter Strich bleibt ein extrem starkes Album, dass schon mal auf die Merkliste für meine Alben des Jahres kommt. Großartig!

2. Desperate Journalist – Grow Up: Noch ne Band mit Sängerin, diesmal aber ein völlig anderer Stil. „Grow Up“ ist bereits das zweite Album der Londoner Band Desperate Journalist, die eher auf „klassiche“ Instrumentierung setzt und einen melonchalischen Post-Punk/Indie-Sound macht, der an The Smith und Co. erinnert. Von der Stimmlage her Frau Goldfrapp noch nicht mal unähnlich, vermittelt Sängerin Jo jede Menge Gefühl und es schwingt immer ein bisschen Melancholie mit. Ich fühle mich ab und zu an All About Eve erinnert. Die Band überzeugt vor allem durch extrem eingängige Musik und Melodien, man fragt sich, wo die Truppe die ganzen Jahre gesteckt hat, so selbstbewusst und gut kommen die rüber. Ganz stark! Schnell rauf auf meine Merkliste… hervorragende Neuentdeckung! Anbei eine nette „Hinterhof-Version“ von dem starken „Lacking In Your Love“ und der Opener „Hollow“…schlechte Songs gibt’s eh keine auf dem Album!

3. Fotos – Kids: Auch an genialen deutschen Outputs mangelt es dem Musikjahr 2017 ja bisher nicht, und so kommt eine weiter sehr gute Platte dazu. Die Fotos haben mal wieder was Neues gemacht und das kann sich ganz hervorragend hören lassen. Mit ihrem Debut damals als die Deutschen Franz Ferdinand gehandelt, gab’s danach ja ein wenig Abkehr vom Sound des Debuts und die Nachfolger waren zwar Ok, konnten aber an den Erstling nie anschließen. Mit „Kids“ ist das Thema jetzt durch. Die Scheibe klingt zwar ganz anders als das selbstbetitelte Debut von 2006 damals, ist aber auf andere Art mindestens genauso stark. Abwechslungsreicher ist es auf jeden Fall, da man sich hier nicht auf nur eine Musikrichtung (damals halt Franz Ferdinand) beschränkt. Mich erinnert es teilweise an eine fröhlichere Version von Klez.e., es gibt nen Song, der nach Sixties klingt („Haut“), „Alles Offen“ würde sich hervorragend im Radio machen, „Niemand“ setzt wiederum auf elekronische Elemente. Auf jeden Fall erfrischende deutsche Indie-Musik, fernab von Bourani und Co. und tausendmal spanndender als Tomte, Kettcar und Konsorten. Rauf, auf die Merkliste 2017! 😀

Ansonsten noch im Player die alten Crossover-Recken um Ice T, Bodycount, die mich nicht wirklich mitreißen konnten. Ice kann immer noch nicht singen, die halb gesprochenen Songs sind noch brauchbar, das gegröhlte Zeug ist mir zu hart und unmelodiös dahingeholzt. Hat damals ja auch irgendwie nur für 2-3 wirklich gute Songs auf der Tanzfläche gereicht. Ganz nett, der Altherren-Indie von Wire auf „Silver/Lead“, der sich ganz gut hören lässt, aber zwischen den ganzen wirklich tollen Alben der letzten Wochen irgendwie untergeht. Und die nächste deutlich besseren Scheiben sind schon in der Heavy-Rotation… 😉

Von Hui bis Pfui!

7. Mai 2017 by

1. Spoon – Hot Thoughts: Ich habe Spoon ja recht spät entdeckt, dafür das die Jungs schon einige Jahre und Outputs auf dem Buckel haben. Das letzte Album „They want my Soul“ fand ich Hammer, das Neue steht dem in nichts nach. Man liest immer mal wieder, dass Spoon kein schlechtes Album machen können – ich kann mir vorstellen, dass das nicht übertrieben ist. Sehr abwechslungsreich, extrem Ohrwurmig, kein schwacher Song, alles geht ins Ohr – muss ich noch mehr sagen? Ich denke, ich muss unbedingt nochmal in die älteren Scheiben reinhören. Nicht nur mir unbegreiflich, dass die Truppe noch nicht weltweit Megaerfolge feiert… die spielen an meinem Geburtstag live in Köln – wenn’s passt, werde ich mir das auf jeden Fall anschauen! Jetzt schon ein Kandidat für mein Album-Charts 2017! Hier einer meiner Favoriten von dem durchweg starken Album:

2. Future Islands – The Far Field: So langsam bekannter werden die Future Islands und das nicht zuletzt wegen ihres Frontmanns und dessen, sagen wir mal, etwas speziellerem Tanzstils. Daher war auch das neue Album mehr im Fokus als vorher und man konnte hauptsächlich lesen, dass es doch arg glattgebügelt und massenkompatibel daherkommt. Stimmt soweit auch. Die Songs klingen alle irgendwie gleich, sind ganz nett, tuen keinem weh, aber mehr auch nicht. Das ganze relativiert sich ein wenig, wenn man „The Far Field“ ein paar mal mehr hört. Dann stechen nämlich doch Songs wie „Ran“, „North Star“ oder „Shadows“ ein wenig heraus, ohne dabei vollends zu begeistern. So bleibt das Album am Ende als ganz nett, aber nichts besonderes in Erinnerung, was die Band jetzt wahrscheinlich auch nicht weiter ins Rampenlicht rückt. Maybe next time?!

3. Max Prosa – Keiner kämpft für mehr: Was hab ich mich auf das neue Album von Max Prosa gefreut, dem jungen deutschen Bob Dylan, mit den tollen, außergewöhnlichen Songs und Texten, der mal so ganz untypisch war, für einen Deutschen Musiker… und nun das! Ja hat der denn mit Tim Bendzko, Schweighöfer und Mark Forster nen Kurs in Deutscher 08/15-Musik belegt? Anders kann ich mir Songgrütze wie z.B. „Glauben an“ nicht erklären. Texte nach Schema-F, die man so ähnlich schon von 100 anderen nervenden Deutschsängern gehört hat. Ich hab ja gar nichts gegen nen leichten Stil-Wechsel. Die Prosa-untypische Single „Glücklich mit nichts“ gefällt mir zu Beispiel sehr gut und auch mit der Quasi-Disco-Nummer „Seiltanz“ kann ich trotz leichter Verwunderung leben. Man fragt sich immer wieder – ist das wirklich Max? Ich finde, der neue Stil passt nicht zu ihm und es gab auch keinen Grund, den alten über Bord zu werfen. Naja, aber offensichtlich will er „einfach nur singen“. Warum die Texte dann auch noch so anders sein müssen, erschließt sich mir noch weniger… FAIL!

4. 22 – You Are Creating- Limb1: Skandinavische Bands haben es ja irgendwie immer drauf, von daher kein Wunder, dass mir die Neuentdeckung 22 so gut gefällt. Die Jungs machen eine stark an Muse erinnernde Mucke mit Einschlag zum Progrock, die fernab vom klassischen Rock ist und durch Abwechslung und schöne Soundideen überzeugt. Den Sänger verschlägt es zwischendurch auch mal in beachtliche Höhen, die im mehrstimmigen Gesang auch schon mal an Queen erinnern. Aber das war ja bei den letzten Muse-Alben auch schon der Fall. Zwischendurch wechselt der Stil und das Tempo auch schon mal mitten im Song – teilweise leicht schräg, dafür aber außergewöhnlich und spannend. Panic! at the Disco fallen mir da auch spontan noch ein! Sehr gelungene Scheibe – mehr davon!

5. Dear Reader – Day Fever: Auch immer wieder schön ist es, ein neues Dear Reader-Album zu hören. Die Songs sind einfach meistens alle schön, irgendwie sympathisch und erwärmen einem da Herz. Und so auch diesmal – mehrstimmige elfengleiche Background-Chöre, Glockenspiel, Tamborin, warme Sounds und viel Klavier – alles am Start, was man so erwartet. Und dann überrascht uns die Dame plötzlich schon im Opener mit ein paar kleinen Sound-Spielereien und Geplucker der Marke „Notwist“. Ab und zu ist mal ein etwas „anderer“ Song dazwischen, wenn auch keiner aus der Art schlägt. Ich fühl mich manchmal ein bisschen an eine weibliche Version von Sufjan Stevens erinnert. Ist ja nicht der schlechteste Vergleich! 😉 Sehr nett!

Doppelte Enttäuschung Bilderbuch…

12. April 2017 by

1. Bilderbuch – Magic Life: Eigentlich sollte ja hier als nächstes der Konzertbericht zu Bilderbuch kommen… dummerweise ist mir was passiert, was so noch nie vorgekommen ist: ich hab den Termin verpasst, weil ich einen Tag zu spät zur Location gefahren bin. Super ärgerlich… also bleibt nur die Plattenbesprechung. Leider fällt die nicht so wirklich positiv aus, denn die Vorabsingle „Bungalow“ ist der mit Abstand beste Song auf dem Album. Kein Vergleich zum klasse Vorgänger. Ok, musikalisch ist das alles sehr gut – ne Mischung aus Falco und Prince mit allen möglichen Musikstilen, die gekonnt eingebracht werden. Nur leider sind die Songs im Endeffekt nicht gut. Für mich eine, der ersten Enttäuschungen dieses Jahr. Dafür ist „Bungalow“ um so besser…

2. Elbow – Little Fiction: Ich glaube langsam, Elbow können kein schlechtes Album machen. Auch „Little Fiction“ weiß wieder voll zu überzeugen. Klar, der Wiedererkennungswert ist nicht nur dank der Stimme von Sänger Guy hoch, bahnbrechende Änderungen am Sound gibt es auch nicht, aber wenn dabei so wunderschöne Songs wie z.B. „Magnificent (She Says)“ rauskommen, dann ist mir das herzlich egal. Der Grundton ist eher ruhig und viele Songs verleiten zum Träumen. Einfach schön. Würde ich auch gerne mal live sehen. Klasse!

3. The XX – I see You: Ebenfalls überzeugen konnte mich die neue Scheibe von The XX. Die ist ein wenig zugänglicher und nicht mehr ganz so reduziert, wie die Vorgänger, was der Band meiner Meinung nach gut tut. Klar – fette Klangteppiche und Orchestrale Begleitung gibt es nach wie vor nicht, aber das macht ja eigentlich auch den Sound der Band aus. Der Wechselgesang von Männlein und Weiblein weiß nach wie vor zu gefallen, die weichen Stimmen der beiden harmonieren hervorraggend mit der noch wie vor recht reduzierten musikalischen Begleitung. Auch hier geht es eher ruhig zu, was den Grundtenor angeht. Past aber. Wie ich finde, ihr bisher bestes Album.

4. The Dears – Times Infinity Volume One: Sehr gespannt war ich auch auf das neue Album der Dears. Die hatten ja auf ihren letzten Outputs immer 2-3 richtig geniale Songs drauf, und auch der Rest ließ sich immer gut hören. Diesmal fehlt irgendwie der große Überflieger-Song, dafür halten alle Songs ein sehr hohes Niveau und die Platte überzeugt als Gesamtwerk. Kein langweiliger oder schlechter Song drauf, und alles auch sehr abwechslungsreicht. Verbreitet zum Teil ein bisschen Sixties und Seventies-Atmosphäre, denn mal wieder einen Hauch 80er… sehr schön und absolut überzeugend. Auch die sind Kandidaten, die ich unbedingt mal live sehen möchte…

Und dann gab’s noch die Platten von Soviet Soviet und The Little Kicks… während erstere mit ihrem Joy Division-ähnlichem Wavesound ganz ok rüberkamen, kann man das selbe über The Little Kicks sagen, die wie eine leicht melancholische Version der Kooks klingen. Der letzte Kick fehlte mir letztendlich bei beiden Alben… aber mal schauen, was da als nächstes so kommt. Richtig genial fand ich die EP der Parcels, die ich ja im Vorprogramm von Two Door Cinema Club entdeckt hatte. Die sollen mal so schnell wie möglich ein ganzen Album rausbringen. Sehr geiler 70ies-Disco Sound. 🙂